Herforder Chronik (1910)/021

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Herforder Chronik (1910)
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jene Reiche, deren Bestimmung es sein sollte, Träger einer christlichen Weltordnung zu werden.

Während den Deutschen in der Fremde das Licht von oben leuchtete, herrschte in der Heimat noch lange finsterer Aberglaube, und auch hier an den Ufern der Werre und im weiteren Umkreise, den Wohnsitzen des Sachsenstammes, wurden den Göttern Tier- und Menschenopfer gebracht. In dem Dunkel der geheimnisvollen Wälder walteten heidnische Priester ihres Amtes und hielten mit härtester Strenge alle Einflüsse ab, welche ihre priesterliche Hoheit hätten beeinträchtigen können.

Das unruhige Volk der Franken, am Niederrhein und an den Mündungen dieses Stromes wohnhaft, war unter der Führung seines Königs Chlodwig über den Rhein in das von den Römern besetzte Land der Kelten gedrungen, hatte 489 dort die römische Herrschaft beseitigt und ein Frankenreich gebildet, dessen Name noch in dem heutigen „Frankreich“ fortlebt. Die Weltgeschichte erzählt weiter, wie der letzte der Merowinger, Chlodwigs Nachfolger, von dem tatkräftigen Geschlecht der Karolinger vom Throne verdrängt wurde; für uns ist nur die Gestalt des aus ihrer Reihe turmhoch hervorragenden Karls des Großen (768—814) von Bedeutung.

Er erneuerte den schon von seinen Vorgängern begonnenen Versuch, die sächsischen Nachbarn zu bekämpfen in der Hoffnung, durch ihre Unterwerfung dem hochbegabten Volke nicht nur mildere Sitten und christliche Bildung zu bringen, sondern auch das Sachsenland zu einem festen Gliede des großen Frankenreiches zu gewinnen. Wir haben oben gesehen, daß die Sachsen, unsere Vorväter, ihre Wohnsitze zwischen Rhein und Elbe bis hinunter zu den Gestaden der Nordsee hatten, wo die ihnen stammverwandten Friesen saßen.

Waren auch die Franken ebenso stark, tatkräftig und kampfeslustig wie sie, so bildete doch die schon besprochene Beharrlichkeit und Zähigkeit im Festhalten am Überlieferten einen sie von den andern deutschen Stämmen unterscheidenden Zug ihres Wesens. Während die milden Lehren des Christentums bei anderen deutschen Stämmen still und langsam Eingang gefunden hatten, lehnten die Sachsen mit Entschiedenheit jede Hinneigung zur neuen Lehre ab, um so mehr, als sie in der Annahme des Christentums eine Unterwerfung unter das Joch des Frankenkönigs sahen.

Wie aber auch sie das sanfte Joch des Christentums tragen lernten und nach langem Ringen sich der Macht der Franken ergeben mußten, davon sollen die folgenden Blätter berichten.


Ein Teil der Sachsen und einer der Stämme des großen Sachsenvolkes, die Angeln, waren 449 übers Meer gezogen, um den Briten gegen deren Feinde Beistand zu leisten. Sie verließen das Land nicht wieder und warfen sich zu Herren des Volkes auf, das vordem ihre Hilfe erbeten hatte. Sie nannten sich Angelsachsen und blieben ihren heimischen Sitten, aber auch ihrem germanischen Heidentum lange Zeit treu.