Rombinus, der heilige Berg im Memelland

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Inhaltsverzeichnis


Einleitung

Der Rombinus

Der Rombinus in Schalauen ist ebenso wie das Romowe im Samland und wie die Rominter Heide in Nadrauen eines der prußischen Haupt-Heiligtümer. Es gibt noch andere ehemals heilige Orte, die ebenfalls die Silbe Ram-, Rom-, Rum- im Namen tragen, was „ruhig“ (auch im Sinne von „heilig“) bedeutet. Andere heilige Orte erkennt man an Silben wie Lab- (gut) und Swent-/ Swint (heilig). An diesen Stätten wurde den alten Göttern gehuldigt und wurden ewige Feuer unterhalten. Weil es sich bei der Religion unserer Vorfahren um eine Naturreligion handelt und weil die Gottesdienste deshalb in freier Natur, also in Wäldern, an Gewässern und auf Heideflächen praktiziert wurden, wurden sie als „Heiden“ bezeichnet.

Die Sage weiß zu berichten, dass viele weibliche Berggeister dort lebten. Sie hatten ihre Wohnung unter dem Stein und erschienen gewöhnlich in Gestalt und Kleidung der Menschen. Nach Sonnenuntergang kamen sie aus dem Berge, plätscherten im Wasser oder klopften ihre Wäsche. Oft hörte man sie auch auflachen und lieblich singen. Sie zeigten sich gegen jedermann gütig und freundlich, und wer sich durch ein gesittetes Betragen in ihre Gunst gesetzt hatte, der wurde von ihnen reichlich belohnt. Jede Schlechtigkeit, Roheit oder gar Frechheit wurde von ihnen gehaßt und hart bestraft.


Erdgeschichtlich gehört der Rombinus zum Willkischker Höhenzug, eine Moränenlandschaft, die bei Pogegen am kräftigsten ausgeprägt ist und wo sich der Götterberg in die Memelniederung hineinschiebt und den Fluss zu einem Bogen zwingt. Zu Beginn des Alluviums reichte die Ostsee bis hierher. Östlich des Rombinus liegen der Schreitlauker Höhenzug und das Jura-Becken. Das Memeltal am 35 Meter hohen Rombinus zählte zu den schönsten Landschaften Deutschlands.

Der sagenumwobene Findling auf dem Berg wurde 1811 durch einen Müller gesprengt und in zwei Mahlsteine verwandelt.


Frühe Nennungen

Blick vom Rombinus auf die Memel in Richtung Tilsit

Erstmals wird der Rombinus in den „Litauischen Wegeberichten" erwähnt (Scriptores rerum prussicarum II, 676). Die Gebietiger des Deutschen Ordens ließen Ende des 14. Jahrhunderts an der litauischen Grenze die Aussagen wegekundiger Leute über die „Straßen" nach denjenigen Gebieten des feindlichen Landes, die ihnen aus längerer Erfahrung bekannt geworden oder zu deren Erkundung sie eigens ausgesandt worden waren, aufnehmen: Aussagen, welche sich in mehr oder minder vollständiger Weise über die Entfernungen, die Zwischenorte, die Lagerplätze und die Beschaffenheit der Wege verbreiteten. So wird un-ter dem 21. September 1394 (Wegebericht 22, der den Weg von Ragnit nach Mediniken aufzeigt) berichtet:

Zada von Laukisken (bei Labiau) und Waynegede von Rangnit habin desin weg gegangen. Czum erstiii us vom Rambin (Rombinus) von der Memil bis uf Lupin vlys (scheint eine andere Form des häufig genannten Flußnamens Lumpe zu sein) 1 mile gut weg, do lyet mau die erste nacht . . .

Nachrichten, wonach es sich um einen "heiligen Berg" gehandelt haben soll, Mitteilungen über späteren Aberglauben sowie die erste Nachricht von einem angeblichen Opferstein mit polierter Oberfläche finden sich bei Pisanski (Da montibus regni Prussiae, S. 29). Weitere Nachrichten die Heiligkeit des Berges betreffend finden wir bei 'Henneberger, Gisevius erhebt den Rombinus zum „Göttersitz der alten Preußen, an dem die Götter Laima, Lauma und Potrimpus verehrt wurden. In Voigt-Burgen-Karte" ( (1827) wird der Berg Rambin genannt und als Heidenburg bezeichnet. Die „Guiseübersicht (handschriftlich gefertigte Bleistiftzeichnungen von Ordensbauten, Burgwällen etc., die ein Leutnant Gutse in den Jahren 1B26-2B gefertigt hatte und die im Prussia-Museum,zu Königsberg aulbewahrt wurden) spricht von einer Verschanzung auf dem Berge. Hollack erwähnt in seinen «Erläuterungen zur vorgeschichtlichen Übersichtskarte von Ostpreußen (1908) Hügelgräber und viele Gräberfunde, die wahrscheinlich aus dem als Rambynas bezeichneten Gebiet stammen. In der Giseviusschen Sammlung im Prussia-Museum befanden sich u. a, zwei gehenkelte Hohläxte (Einzelfunde der jüngeren Bronzezeit) sowie eisenzeitliche Einzelfunde. Auch von dem Opferstein des Rombinus befand sich ein Sprengstückchen im Prussia-Museum. [1]


Der Opferstein

„Er war ein länglich-runder Block mit einer schräg geebneten Oberfläche", so wird berichtet, „der 15 Ellen im Umfange, an der niedrigeren Seite gegen 5 und an der höheren gegen 9 Fuß maß." Er soll mit der Länge in der Richtung von Nor-den nach Süden gelegen und tief in der Erde gesteckt haben. Die Masse selbst war harter, rotschwarzer Granit. Ein Schwert in fast diagonaler Richtung in der mittleren Gegend der Oberfläche, darunter ein Zeichen, welches einem Tempel ähnlich war, weiter eine Hand, ein Menschen-fuß und eine Menge von Tierfußtapfen waren seine Hieroglyphen.

Die ältere Generation warnte die jüngere von alters her davor, den Opferstein zu beschädigen oder Spott und Unfug mit ihm zu treiben. Er sei heilig, und der Boden, auf dem er sich befinde, geweiht. Tausende und aber Tausende haben hier wohl in frommer Andacht gebetet und aus Dankbarkeit, oder den Segen erflehend, ihre Gaben auf den Stein gelegt. Zu ihm wurden Wallfahrten unternommen. Auch wurde hier Gericht über Tod und Leben gehalten. Mächtige Fürsten und Könige kamen mit Weih-geschenken. Auch Kranke aller Art fanden sich ein, berührten den Stein, um geheilt nach Hause zurückzukehren, Brautleute gingen zu ihm und flehten um glückliche Ehe,' Wöchnerinnen dankten hier für ihre Genesung und baten um Segen für den Neugeborenen.

Wo der menschliche Verstand sich nicht zuhelfen wußte, da half der Stein, zu dem man sich gläubig gewandt halte. Das goldene Ackergerät, welches sich noch im Berge befinden soll, das in den Opferstein eingearbeitete Zeichen eines Schwertes, die vielen dort gefundenen Armringe und Kränze, fast immer Schlangen darstellend, deuten nur zu sehr auf Potrimpus. Neben ihm waren es die weiblichen Gottheiten Laima und Lauma, die auf dem Rombinus vorzugsweise verehrt wurden. Sie wurden von Priesterinnen bedient, die hier ihre Altäre hatten und durch ihre Diener mächtig auf das Volk gewirkt haben müssen. [2]

Mehr zum Opferstein[1]


Die Rache der Götter

Seit der Verarbeitung des Steines schwanden der Wohlstand und das Glück im Hause des Müllers Schwarz, Er hatte sich dem Trunke ergeben. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden, In der Kummetzischen Mühle soll er nach langer Irrfahrt ein Unterkommen gefunden haben, ohne zu ahnen, daß der Rachegeist des Rombinus hier nach 24 Jahren seiner noch harrte. Als eines Morgens die Mühle bei vollem Winde stillstand, fand man ihn ins Kammrad geflochten und gräßlich zermalmt. [3]


Der mystische Schimmer

Der Rombinus

Ein Abend am Rombinus

  • Schon sah ich die Wiesen ergrauen,
  • Brütend am Uferrand
  • Ragte der Berg im blauen
  • Wallenden Nachtgewand.


  • Rombin der Berg der Heiden
  • Horchte zum Strom herab,
  • Als tauchten beim Tagesscheiden
  • Die Götter aus ihrem Grab herab.


  • Als rauschten die Götter, die alten,
  • Aus der Memel herauf,
  • Um wieder Wacht zu halten
  • Schwertmächtig am Bergesknauf.


  • Da erklomm auf den Bergesrücken
  • Nur Nachhall fernen Geläuts,
  • Und es klafften vier Wolkenlücken
  • Wie ein einziges Flammenkreuz.


  • Grad über den Gipfel sah ich,
  • Sah ich das Kreuzfanal,
  • Und drunten schluchzten die Wellen
  • Einen Sterbechoral.


  • Das war der Götter Ende
  • Und mein Berg verleuchtete still.
  • Wie eine letzte Legende,
  • Die niemand mehr hören will.

(A.K.T. Tielo, eigentlich Kurt Mickoleit aus Tilsit)


Verschiedenes

Karten

Berg Rombinus auf der Schroetterkarte (1796-1802), Maßstab 1:50 000
© Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Schroetter Karte 1802, Maßstab 1: 160 000


Der Rombinus im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz
Der Rombinus und Umgebung im Preußischen Urmesstischblatt 1861
© Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz


Fotos

Die Bilder sind im Juni 2010 auf dem Rombinus-Berg aufgenommen.
(Untere Reihe: Blick auf die Memel vom Rombinus aus.)

Denkmal am Rombinus (2012)
Inschrift zu Ehren der heidnischen Götter Patolos, Perkunos, Potrimpos auf dem Gedenkstein am Robinus (2012)


Weg zur Memel unterhalb vom Rombinus, 2008, (Bild Helli Aumann)

Literatur

  • Kurschat, Heinrich A.: Das Buch vom Memelland, Siebert Oldenburg 1968
  • Tautorat, Hans-Georg: Am Memelstrom, Von Tilsit bis Waldheide, Landsmannschaft Ostpreußen, Leer 1987

Einzelnachweise

  1. Tautorat, Hans-Georg: Am Memelstrom, Von Tilsit bis Waldheide, Landsmannschaft Ostpreußen, Leer 1987
  2. Tautorat, Hans-Georg: Am Memelstrom, Von Tilsit bis Waldheide, Landsmannschaft Ostpreußen, Leer 1987
  3. Tautorat, Hans-Georg: Am Memelstrom, Von Tilsit bis Waldheide, Landsmannschaft Ostpreußen, Leer 1987
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