Chronik der Schotten-Crainfelder Familie Spamer/073

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Chronik der Schotten-Crainfelder Familie Spamer
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Ilsedern nach Hannover begleitet und in Northeim von Emil am Bahnhofe in Empfang genommen. Dort verweilte er bis zum 24. August, nahm, außer an kleineren Ausflügen mit den Seinigen, an einer Wagenfahrt in größerer Gesellschaft nach Mariaspring[1] teil und bestieg dort die oberhalb gelegene Ruine Plesse. Nach Wetzlar zurückgekehrt, brachte er am 28. August seinem ältesten Jugendfreunde, dem Gymnasialdirektor Dr. Geist in Gießen, zu dessen 50jährigen Doktorjubiläum, persönlich seinen Glückwunsch dar. Zugleich übergab er ihm ein Gratulations­gedicht, worüber dieser so froh und gerührt ward, daß er den alten Freund und Gratulanten ans Herz drückte und küßte. Am 25. November, dem hundertjährigen Geburtstage seiner Mutter, empfing Chr. Spamer zu seiner Freude den Besuch seines Bruders Karl, der mit ihm diesen Gedenktag feiern wollte, und auch von Ilsede traf die Depesche ein: „Froh gedenkt heutigen Säcularfestes Dein Hermann.“

Im folgenden Jahre 1877, zum 2. Februar, fanden sich Hermann, Ludwig und Anna wieder im Kreise der Familie Kellner ein und begingen in und mit derselben das Geburtstagsfest des lieben Vaters in mehrtägigem frohem Zusammensein. Im kommenden Monat Mai nahm letzterer diesmal Ilsede zu seinem ersten Reiseziel, und folgte ihm gegen Ende desselben Monats der Kinzigheimer Landpfleger dorthin nach. In jener, von landwirtschaftlichen Arbeiten freieren Zeit, beabsichtigte letzterer zugleich an einer Reise nach Berlin teilzunehmen, welche der Vater und seine Ilseder Kinder ins Auge gefaßt hatten. Nach dem Pfingstfest kam dieser Plan zur Ausführung. Im Hotel Kaiserhof fanden die vier Reisenden gute Wohnung und besuchten von hier aus die Sehenswürdigkeiten der Metropole und ihrer näheren Umgebung. Namentlich wurden in Berlin selbst die Kunstschätze der Museen, in Charlottenburg das Mausoleum besucht, im Schauspielhause: Minna von Barnhelm, im Opernhause: die Hugenotten, in Krolls Garten ein Lustspiel gesehen, und eine Rundfahrt nach Babelsberg, dem Pfingstberg, Marmorpalais, Sanssouci und Potsdam unternommen. Am fünften Tage, nach Besichtigung vieles Schönen, doch nun des Sehens müde, kehrten die Ausflügler über Magdeburg zur Ilseder Hütte zurück. Hier blieb Chr. Spamer noch bis zum 6. Juni und wurde an diesem Tage von seiner zu Besuch eingetroffenen Tochter Anna nach Northeim ins Groos'sche Heim begleitet und eingeführt. Dort langte am folgenden Tage die Ernennung Emils zum Oberstabsarzt und seine Versetzung nach Düsseldorf an, und wurde dieses Ereignis, mit dem auf denselben Tag fallenden siebenjährigen Hochzeitstag des Groos'schen Ehepaares, bei einer Bowle gefeiert. Infolge dieser Versetzung mußte indes der neue Oberstabsarzt nun ohne Zeitverlust seinen und seiner Familie Überzug nach Düsseldorf in die Wege leiten, und so setzte Chr. Spamer seine Reise schon am 9. Juni nach Wetzlar fort. — Am 22. Juli fuhr er, von seinem Sohne Julius Kellner nach Frankfurt begleitet und dort von Ludwig abgeholt, auf den Kinzigheimer Hof zur sommerlichen Visite und verlängerte diese gerne[2] bis zum letzten Sonntage des August. Dann kehrte er wieder nach Wetzlar heim. Nach längerem Verweilen dort unternahm er am 2. November mit Ludwig, der zu jener Frist seine Erntearbeiten erledigt hatte, eine Reise nach Düsseldorf, zum Besuche der Familie Groos. Die geräumige, bequeme Wohnung der letzteren, die schöne Stadt mit ihren reizenden Anlagen und Kunstgenüssen, besonders aber auch der Verkehr mit den liebenswürdigen Familien Martin, Soest und Meffert machten ihnen, unter der Fürsorge Emils und Annas, den Aufenthalt dort sehr angenehm. Sie verließen Düsseldorf und ihre lieben Wirte erst am 17. November wieder zur Rückkehr über Neuwied nach Wetzlar, bezw. Kinzigheim. Das folgende Weihnachtsfest, zu welchem auch Ludwig sich eingefunden hatte, verlief im Hause Kellner besonders vergnügt. Alle waren erfreut über die am 22. Dezember erfolgte Versetzung des ältesten Sohnes Julius in die erste Ordnung der Sekunda, und das ihm dabei erteilte gute Zeugnis, welches ihn für den einjährig-freiwilligen Militärdienst reif erklärte. Chr. Spamer schrieb hierüber und über die ihm


  1. Genwiki-Red.: Mariaspring ist die Quelle des Baches Rauschenwasser in der Gemeinde Bovenden im Landkreis Göttingen (Niedersachsen). Bis zum II. Weltkrieg war Mariaspring ein beliebtes Ausflugsziel ca. 10 km nördlich von Göttingen, unterhalb der Burg Plesse.
  2. GenWiki-Red.: Handschriftliche Änderung des Wortes "gerade" im Original in "gerne".