Die Probstei in Wort und Bild/155

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Die Probstei in Wort und Bild
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Probstei in Wort und Bild.djvu
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Die Ortschaft Stakendorf ist erst nach Genehmigung des Statuts dem Deichverbande beigetreten. Dadurch ist die Zahl der Repräsentanten um einen vermehrt, welcher von den Stakendorfer Verbandsmitgliedern (Hufnern und Kätnern gemeinschaftlich) gewählt wird.

Die Ausführung des Projekts wurde dem Bauunternehmer J. J. H. Ehlers aus Altona übertragen. Sämtliche Verbandswerke wurden in den Jahren 1880, 1881 und 1882 hergestellt. Der Deich schließt sich im Westen an den Stein-Wendtorfer Deich, im Osten an den Schmoeler Strandwall an und wird auf beiden Enden durch einen Anschlußdeich mit den flutfreien Ländereien verbunden, wodurch verhindert werden soll, daß bei Durchbrüchen außerhalb des Probsteier Deiches das Seewasser in die Probsteier Niederung eindringt.

Die Gesamtlänge des neuerbauten Deiches beträgt bei einer Höhe von 4 m über dem mittleren Wasserstand 12,2 km. Es sind 2 Schleusen neu angelegt, die größere vor dem Barsbeker See in der Gemarkung Wendtorf mit einem offenen Außenkanal, die kleinere in der Gemarkung Schönberg zwischen den Fischerkaten Kalifornien und Brasilien mit einer verdeckten Vorstrandsschleuse. Zur Entwässerung dienen ferner noch das „Schierbekssiel“ zwischen den Gemarkungen Schönberg und Stakendorf, welches von den Schönberger und Stakendorfer Hufnern gemeinschaftlich unterhalten wird, sowie das „Heisterbuschsiel“ und das „Kätnersiel“ in der Gemarkung Stakendorf, welche von den Stakendorfer Interessenten allein unterhalten werden.

Es gehören diese 3 Siele nicht zu den gemeinschaftlichen Verbandswerken, weil die Stakendorfer ihre Siele erst kurz vor Bildung des neuen Deichverbandes neu gebaut hatten, ihre Entwässerung daher für sich behalten wollten. Dem entsprechend wurden die Ländereien in der Gemarkung Stakendorf niedriger zur Deichsteuer eingeschätzt.

Die Kosten der Herstellung der gemeinschaftlichen Verbands-Anlagen, welche zu 300.000 Mk. veranschlagt waren, beliefen sich auf reichlich 339.000 Mk.

Sie wurden gedeckt

1. durch eine Staatsbeihülfe von 72.000 Mk.,

2. durch ein Staatsdarlehn von 108.000 Mk., welches nach 5 Freijahren mit 5 Prozent zu amortisieren ist (in 32 Jahren),

3. durch vom Verbande aufzunehmende Anleihen.

Sämtliches deichsteuerpflichtiges Land wurde behufs Veranlagung zu den Deichkassen-Beiträgen in 13 Klassen eingeteilt; 1 ha in Klasse 1 wurde zu 50 Einheiten, 1 ha in Klasse 13 zu 0,25 Einheiten eingeschätzt. Die Einschätzung, welche durch 3 von der Repräsentation gewählte ökonomische Sachverständige zur allgemeinen Zufriedenheit vorgenommen wurde, ergab 20.016 Einheiten. Für das erste Beitragsjahr wurden pr. Einheit 70 Pf., im Ganzen also 14.011 Mk. an Deichsteuer erhoben, d. i. durchschnittlich 7,30 Mk. pr. ha. Mit solchen Beiträgen hoffte man auch ferner auszukommen; denn der Zweck des Baues: „Schutz vor den Ostseefluten und eine ausreichende Entwässerung des Inundationsgebiets“ schien erreicht zu sein. Man war zu solchen Annahmen wohl berechtigt, wenn man inbetracht zieht, daß die 72er Sturmflut 3,15 m über Null stieg und der jetzige Deich 4 hoch ist. Auch durfte man annehmen, daß die Schleusen nach reiflicher Erwägung aller inbetracht kommenden Verhältnisse an den richtigen Stellen angelegt und somit für eine ausreichende Entwässerung gesorgt sei. Auch konnte bei einer Deichsteuer von 70 Pf. pr. Beitragseinheit nach dem aufgestellten Voranschlage jährlich ein Betrag von 2000 Mk. für den nach Anordnung der Königlichen Regierung zu bildenden Reservefonds in Höhe von 25.000 Mk. zurückgelegt werden, so daß auch für außerordentliche Fälle gesorgt war.

Doch schon im ersten Jahre nach Fertigstellung erlitt der Deich bei den Stakendorfer Fischerkaten durch eine Sturmflut eine solche Beschädigung, daß die Deichsteuer von 70 auf 80 Pf. für die