Stiftung Stoye/Band 49/010

aus GenWiki, dem genealogischen Lexikon zum Mitmachen.
Zur Navigation springen Zur Suche springen
GenWiki - Digitale Bibliothek
Stiftung Stoye/Band 49
<<<Vorherige Seite
[009]
Nächste Seite>>>
[011]
Datei:Stoye Band 49.pdf

Häuserbuch der Stadt Teltow

Güter im Zuge der Säkularisierung eingezogen wurden. Um 1560, zwei Jahrzehnte nach der Reformation in Brandenburg, ging die Stadtherrschaft wieder an den Kurfürsten zurück. In die gleiche Zeit fällt die Eingliederung der Stadt in die Verwaltung des Domänenamtes Ziesar, dem sie damit als Mediatstadt unterstand.

1.2 Historische Entwicklung der Stadtgrundstücke 1.2.1 Bürgergrundstücke Das auf das Jahr 1576 datierte Amtsbuch9 des kurfürstlichen Domänenamtes Ziesar ist die erste Quelle für die Aufteilung der zu Teltow gehörenden Ländereien von 68 Hufen.10 Davon besaß der damalige Erb- und Lehnrichter Matthias von Schwanebeck fünf (davon vier freie) Hufen. Weitere zwei Hufen, die nicht abgabenpflichtig waren, gehörten seit frühester Zeit zur Pfarre von Teltow. Die restlichen 61 Hufen waren auf 27 Hüfner11 aufgeteilt. Neben den Hüfnerbauern listet das Ziesarer Amtsbuch für Teltow noch 40 Kossäten12 auf, davon jedoch nur 34 mit dem Besitz eines Hauses. Sieben Jahrzehnte nach der Eintragung ins Amtsbuch verringerte sich infolge des Dreißigjährigen Krieges die Zahl der Teltower Einwohner erheblich. Im Landreiterbericht des Jahres 1652 tauchen nur noch 21 Hüfnerbauern und 27 Gärtner auf.13 Sieben der Hüfner und elf der Gärtner stammten nicht mehr aus Teltow. Bis Anfang des 18. Jahrhunderts regenerierte sich die Einwohnerzahl von Teltow. In ca. 70 Bürgerhäusern konnten nun wieder 27 Hüfner und 42 Gärtner registriert werden. Verglichen mit dem Stand des Jahres 1576 findet sich annähernd die gleiche Anzahl von Eigentümern der Stadtgrundstücke. Der große Stadtbrand im Jahre 1711 verwüstete 68 Wohnhäuser und ungezählte Wirtschaftsgebäude und verschonte nur zwei Bürgerhäuser. Etwa acht Jahre nach dem Brand waren 72 Wohnhäuser wieder aufgebaut, und im Jahr 1735 zählte der Chronist Jeckel in seiner »Teltowgraphie« 27 Hüfner und 50 Gärtner.14 Er berichtet weiter, dass jeder Hüfner und Gärtner von alters her seine eigene, zum Haus gehörende Graskavel gehabt habe. Nur die acht Gärtnerbürger, die auf neuen Grundstücken gebaut hatten, besaßen zunächst keine derartige Fläche, wurden aber bei der Vergabe der neuen Wiesen mit bedacht.15 Wieder kann eine gegenüber dem Jahr 1576 vergleichbare Anzahl von Eigentümern festgestellt werden. Es liegt daher der Schluss nahe, 9 10

11 12

13

14 15

BLHA, Rep. 2, D 20978: »Ambts Buch ambt Ziesar darinnen alle Stedte, Dorfer, Vorwerker und Pechte …« Ebenda: Es werden zuzüglich zu den Teltower Hufen noch 8 Schönower Hufen geführt. – Siehe auch: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Hrsg. von Johannes Schultze (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für die Provinz Brandenburg und die Reichshauptstadt Berlin, 8; Brandenburgische Landbücher, Bd. 2), Berlin 1940, S. 69, 190. Siehe Anm. 6. Kossät: Bezeichnung für Gärtner. Die Kossäten besaßen außer einer Hofstelle noch erbliche Wiesen und Gärten, die aber keine Zugtiere und nur wenig Vieh ernähren konnten. Für eine ausreichende Existenz war der Zuverdienst durch Handwerk oder eine Lohnarbeit erforderlich. GStA PK, I. HA Rep. 21, Nr. 167/1, Bl. 29 bis 31 b. – Vgl. auch Ernst Fidicin: Historisch-Diplomatische Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin. T. 4 Berlinische Urkunden von 1232-1700, Berlin 1842 (ND 1990), S. 14 f, nach einem Bericht der Ritterschaft des Kreises an den Kurfürsten aus dem Jahre 1641. Huch, Teltowgraphie (wie Anm. 1), S. 351. Ebenda, S. 359. Im Konsens mit dem für Teltow zuständigen königlichen Beamten Heidenreich machten die Teltower Bürger ein mit Strauchwerk besetztes Buschland, im Tiefen Bruch und im so genannten Busch, zu Wiesen. – BLHA, Rep. 19 Steuerrat Potsdam, Nr. 3541 »Urbarmachung von Land bei Teltow und Aufteilung unter den dortigen Bürgern 1730–1734«.

10

<<<Vorherige Seite
[009]
Nächste Seite>>>
[011]
PDF zum Buch